
Zeitungsartikel Deutsche Grillmeiserschaft


Zeitungsartikel Deutsche Grillmeisterschaft
Poppenhausen. Einweggrills aus dem Baumarkt kommen Wolfgang Gehring nicht ins Haus. Denn beim Grillen ist der sonst sehr kumpelhaft wirkende 50-Jährige aus dem bayerischen Poppenhausen ein bisschen elitär. Kein Wunder: Zusammen mit Frau Marianne, Tochter Sina und deren bester Freundin Heike Landauer hat sich Gehring 2006 bereits zum zweiten mal den Titel eines "Deutschen Grillmeisters" der "Germany Barbecue Association" geholt - dieses Jahr für seine "Bratwurst-Kreation"
Begonnen hat Gehrings Liebe fürs Grillens vor mehr als 30 Jahren. Oft und gerne feuerte er seinen einfachen Holzkohlegrill an. Er stand dabei nicht nur im Sommer am Rost, sondern selbst im tiefsten Winter bei meterhohem Schnee. "Das ist doch toll, da schmilzt alles um einen herum", findet er.
Vor ein paar Jahren stellte er fest, das er mit den handelsüblichen Kugel-. Fass- und Gasgrills nicht richtig glücklich wird. etwas Besonderes musste her. heute stehen vier amerikanische Barbecue-Smoker vor seinem Haus. Das größte dieser Ungetüme, die an Dampfloks aus früheren Zeiten erinnern, wiegt eine Tonne. Das besondere an einem Smoker ist, dass das Fleisch bei rund 80 Grad langsam gegart wird, nicht direkt über der Glut liegt und angenehm rauchig schmeckt.
Eine Teilnahme an Grillmeisterschaften sei nie geplant gewesen, berichtet der gelernte Kaufmann, der mit seiner Frau in Bad Neustadt einen Babyfachhandel betreibt. 2003 bewarb er sich als Jurymitglied für die deutsche Meisterschaft: "Mich hat interessiert, was da abgeht."
Im Jahr 2004 schaute Gehring den Grill-Profis bei der nächsten Welt Meisterschaft wieder über die Schulter. Dann hatte er genug vom Zuschauen. "So kann ich das auch", sagte er sich, überzeugte Tochter Sina von der Idee und überrumpelte damit seine Frau Marianne. Vergangenes Jahr trat das "Outdoor Barbecue Service Team" aus Poppenhausen im sächsischen Riesa erstmal bei der deutschen Meisterschaf an - und prompt den ersten Platz in der Kategorie "Rind mit Beilage". "Die Jurymitglieder waren vom Fleisch aus dem Smoker begeistert," sagt Gehring
Von der Auszeichnung angespornt feilte die Familie das ganze Jahr über am neuen Grill-Menü. Denn bei der Grillmeisterschaft geht es nicht bloß um Steaks und Spare-Ribs, "auch die Vor- und Nachspeisen müssen auf dem Grill zubereitet werden", erläutert Tochter Sina, die sechs Jahre lang kein Fleisch mehr gegessen hatte, bis Ihr Vater Ihr seine Smoker-Spare-Ribs vorsetzte. Für die Vorspeise "Bratwurst im Bacon-Mantel" erreicht das Team bei der diesjährigen Meisterschaft wieder einen ersten Platz.
Dafür musste die Familie aber einige Strapazen auf sich nehmen: "Seit Weihnachten mussten wir drei bis vier Mal die Woche Bratwurst essen" erinnert sich Sina. Das sei nach einigen Wochen "absolut grausam" gewesen. Aber auch nötig. Schließlich wollten Gehrings ihre ganz eigene "orientalische Bratwurst" kreieren. "Da wurde eben vieles ausprobiert", sagt Gehring.
In Gehrings Lieblingskategorie "Rind" lief es in diesem Jahr nicht ganz so rund. Der Grillchef hatte wegen der vielen Kamerateams und Interviews, die er geben sollte, ganz vergessen, das Fleisch rechtzeitig in den Smoker zu legen. "Das braucht halt seine sechs Stunden" erzählt er, " und das war dann halt zu spät" - über diesen Patzer ärgert er sich auch noch Wochen danach.




